Am 19. Februar 2026 jährt sich der rassistische Anschlag in Hanau zum sechsten Mal. Auch sechs Jahre nach der Tat ist klar: Weder in der Ermittlungslage noch an der gesellschaftlichen Aufarbeitung des Anschlags ist Bewegung zu vermerken. Noch immer keine Aufklärung, noch immer keine Konsequenzen.
In Gedenken an die Opfer und in Solidarität mit den Hinterbliebenen rufen wir zu einer Kundgebung in Leipzig auf – am 19.02. 18 Uhr im Rabet
Nachdem ein weiteres Opfer des Anschlages kürzlich an den Spätfolgen seiner Verletzungen verstorben ist, erinnern wir an die mittlerweile zehn Menschen, die aus rassistischen Motiven ermordet wurden:
Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov, Ibrahim Akkuş
Die Kundgebung wird von einem breiten Bündnis organisiert, bestehend aus:
• Bündnis gegen antimuslimischen Rassismus Leipzig
• IL Leipzig
• We’ll Come United
• Perspectives
• Haus der sozialen Vielfalt
• Widersetzen
• Engagierten Einzelpersonen und unterstützenden Initiativen
Programm & Inhalte:
Die Veranstaltung wird von Manda und Fabian (Mitorganisatorin des Bündnis Hanau-Gedenken Leipzig) moderiert. Redner:innen sind engagierte Personen aus Leipzig, darunter Vertreter:innen (post-)migrantischer Organisationen, der kritischen Zivilgesellschaft sowie Stimmen aus der Betroffenenperspektive.
Im Zentrum stehen das gemeinsame Erinnern, sowie die erneute Forderung nach Aufklärung, Verantwortung und Konsequenzen. Es wird eine Schweigeminute geben und Spenden werden für die Initiative 19. Februar und die Bildungsinitiative Ferhat Unvar gesammelt. Im Anschluss steht ein Safer Space für von Rassismus Betroffene mit Küfa, sowie Austausch- und Kreativangeboten fußläufig offen.
Unsere Anteilnahme gilt den Familien, Freund:innen und Bekannten der Ermordeten. Gleichzeitig mahnen wir: Sechs Jahre nach dem Anschlag gibt es weder eine umfassende juristische Aufarbeitung noch politische Konsequenzen. Rassistische Gewalt wird weiterhin verharmlost, Verantwortlichkeiten werden nicht benannt, Versäumnisse nicht aufgeklärt.
Im Anschluss an die Gedenkveranstalung steht ausschließlich für von Rassismus Betroffene Menschen ein sorgsamer Raum zum Nachklang mit Austausch, Kreativangebot und Küfa offen. Die Adresse gibt es auf Anfrage oder auf unserem Instagramkanal: hanau.gedenken.leipzig
Hintergrund:
Am 19. Februar 2020 wurden in Hanau 9 Menschen aus rassistischen Motiven getötet. Der Anschlag in Hanau war kein sogenannter „Einzelfall“, sondern das Ergebnis jahrelanger rassistischer Hetze – insbesondere gegen migrantisch markierte Menschen. Diese Narrative prägen staatliches Handeln, etwa durch rassistische Polizeipraktiken. Der Begriff der „Kette des Versagens“ beschreibt die Umstände des Anschlages: Ein nicht funktionierender Notruf, ein verschlossener Notausgang in der Arena-Bar sowie eine Täter-Opfer-Umkehr in den Ermittlungen.
Trotz der Schwere dieser Vorwürfe hat sich sechs Jahre nach der Tat an der Ermittlungslage nichts grundlegend geändert. Versprochene Reformen, etwa eine Verschärfung des Waffenrechts, werden weiterhin nicht umgesetzt. Verantwortliche für das institutionelles Versagen werden weiterhin nicht zur Rechenschaft gezogen. Damit wird rassistische Hetze im öffentlichen und politischen Diskurs weiter zugelassen und breitet sich weiter aus, während die Sicherheit migrantisch markierter Menschen keine Priorität hat.
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